Die Piazza Spinelli
Ein performativer Ort für das Zusammenkommen
Die Piazza Spinelli widmete sich als performatives Installations- und Ausstellungsprojekt dem Initiieren und Erforschen des städtischen Zusammenlebens, des Raumteilens und des Wissensaustauschs. Sie war konkreter Ort – gelegen direkt unter dem Umgang der St.-Hildegard-Kirche –, Methode und Denkraum zugleich. Als zentraler Ort und Prototyp erprobte das Spinelli FreiRaumLab hier eine neue, disziplin- und institutionsübergreifende Methodik – ein Beitrag zu einer zukunftsweisenden Planungskultur.
Die fachliche Begleiterin Sally Below kuratierte mit dem Stadttheoretiker Christopher Dell die Piazza Spinelli im Sommer 2022 mit einem Programm von Vorträgen, Ausstellungen und Austauschformaten, das sich allerdings schnell verselbstständigte. Auch im Zeitraum der BUGA 2023 fand – neben den vielfältigen Aktivitäten der Netzwerkpartner:innen – wieder ein kuratiertes Programm statt, u. a. in Kooperation mit verschiedenen Hochschulen, der Kunsthalle Mannheim und der internationalen Städteplattform Connective Cities.
Der Ort wurde schnell zum Treffpunkt für ökumenische Abende, Kita-Feste oder einfach zum Rumhängen oder Hausaufgaben machen. Hier verbanden sich alltägliche Praktiken wie Versammeln, Bauen, Sporttreiben, Singen oder Kaffeetrinken mit Vorträgen, Spaziergängen und Workshops zu aktuellen Themen der Stadtentwicklung. Die vielen Engagierten vor Ort machten daraus eine Adresse: Wir treffen uns auf der Piazza Spinelli! Sie bauten, organisierten, sorgten für Sauberkeit und schlichteten gelegentlich auch nachbarschaftliche Konflikte.
Doch durch den Umbau der St.-Hildegard-Kirche zur Pflege- und Erzieher:innenschule der Caritas sucht dieser wichtige Treffpunkt nun einen neuen Ort.
Neue Lesarten der Stadt
Unter dem Motto „Urlaub in Käfertal“ lud das Spinelli FreiRaumLab nicht nur auf die Piazza Spinelli ein, sondern forderte auch dazu auf, den Stadtteil zu erkunden. Gemeinhin dachte man bei Käfertal an eine ruhige Wohnlage und Wohnungsbauinseln, aber auch an Ein- und Ausfallstraßen, Baumärkte oder Freizeitzentren. Urlaub machte man üblicherweise woanders: dort, wo man historische Stadtkerne, Denkmäler, Erholung und Naturerlebnisse vermutete. Mit der Open-Air-Ausstellung „Urlaub in Käfertal“, die im Jahr 2023 auf 30 markante Orte in Käfertal hinwies, sollte diese Wahrnehmung neu befragt werden.
Urlaub heißt, „frei zu haben“. Dem Duden gilt Urlaub als „offizielle vorübergehende Freistellung von einem Dienstverhältnis“, allgemeiner als „dienst- oder arbeitsfreie Tage, die der Erholung dienten“. Unter Urlaub versteht man darüber hinaus, etwas „anders“ zu machen, aus gewohnten Bahnen herauszutreten und neugierig zu sein. „Urlaub in Käfertal“ bedeutete somit, in eine Situation einzutreten, in der man sich auf neue Lesarten der Stadt einließ und vorgefasste Meinungen zu Hause ließ.
So wurden die Piazza Spinelli und Käfertal zu offenen, veränderbaren Räumen – liebens- und erkundenswert.
Kuration und Startprogramm
Sally Below, sbca, Berlin/Mannheim mit Christopher Dell, ifit, Berlin
Programm
Gemeindemitglieder, Nachbar:innen und viele mehr
räumliche Installation
Nachbar:innen mit raumlaborberlin
Zeichnungen
Maria Garcia Perez, Madrid
Ausstellungskonzeption, Recherche, Texte und Redaktion „Urlaub in Käfertal“
Moritz Henning, Berlin
