Forschung

Das Spinelli FreiRaumLab wurde im Laufe des Stadtentwicklungsprozesses eines von drei Mannheimer Gastprojekten der IBA Heidelberg 2022.  Im Anschluss wurde es von Januar 2023 bis Juni 2024 durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik gefördert. Diese Förderung ermöglichte es, die seit Projektbeginn im Jahr 2021 entwickelten Methoden und Strukturen weiterzuentwickeln.

Neben dem weiteren Aufbau und der Etablierung des Netzwerks förderte das BMWSB mit dem Programm auf der Piazza Spinelli und der Dokumentation der Ergebnisse in einer Publikation zwei weitere wesentliche Bausteine des Vorhabens. Damit sollten sowohl eine eigenständige und langfristig agierende Kooperationsstruktur geschaffen als auch die innovativen Ansätze der Arbeit vor Ort als übertragbare Vorlage für andere Städte und Akteur:innen aufbereitet und nutzbar gemacht werden.

Die Grundlage: der Rahmenplan Spinelli

Um die dem Rahmenplan für das neue Quartier Spinelli zugrundeliegende Prämisse „Quartier statt Siedlung“ in die Praxis umzusetzen, entwickelte die verantwortliche Projektgruppe Konversion der Stadt Mannheim gemeinsam mit weiteren Ressorts und der Urbanistin Sally Below Leitbilder wie „Stadt weiterbauen“ und die Anwendung der Prinzipien der Nachhaltigkeit. Diese flossen in den vom Gemeinderat der Stadt Mannheim 2018 beschlossenen Rahmenplan ein.

Schon dieser Rahmenplan definierte Strategien für das neue Quartier, die weit über die gängigen Standards hinausgingen. Unter dem Label einer „echten“ Nachhaltigkeit formulierten die Verfasser:innen Ziele, die einer multicodierten/synergetischen, experimentellen/innovativen,sozialen/integrativen, ressourcengerechten/ressourcenschonenden Herangehensweise entsprachen.

Informationen zu Käfertal-Süd, Spinelli sowie dem Rahmenplan finden Sie > hier.

Ein zentrales Ergebnis der gemeinschaftlichen Arbeit in verschiedenen, den Rahmenplan vorbereitenden Werkstätten war die Erkenntnis, dass die Schnittstelle zwischen dem alteingesessenen Käfertal-Süd und dem neuen Quartier Spinelli ein Ort ist, der vielfältige räumliche und gesellschaftliche Herausforderungen vereint. Um diese vertieft zu bearbeiten, riefen die Beteiligten das Netzwerk Spinelli FreiRaumLab ins Leben.

Initiiert und fachlich-konzeptionell begleitet wurde das Netzwerk von der Urbanistin Sally Below. Von Seiten der Verwaltung war Jens Weisener von der Projektgruppe Konversion der Stadt Mannheim, der auch für den Rahmenplan Spinelli verantwortlich war, dabei. Einbezogen wurden auch Vertreter:innen der Verwaltungsressorts Jugend, Sport, Kultur und Bildung.

Die Methodik

Im Spinelli FreiRaumLab greifen Forschung und Gestaltung ineinander: Das Netzwerk soll zur Lösung konkreter Probleme vor Ort beitragen, thematisiert aber gleichzeitig in Bezug auf die dringend zu reformierende Planungskultur in Deutschland das disziplin- und institutionsübergreifende Schaffen einer neuen Methodik zum konstruktiven Umgang mit bestehenden städtischen Situationen unter Beteiligung der Verwaltung. Zentrale Frage ist dabei, was Anerkennung und Qualifizierung des Bestehenden heute bedeuten kann. Damit trägt das Projekt maßgeblich zum Diskurs über den Umgang mit der gebauten Stadt bei.

In der begleitenden Forschung wurden Problemlösung, Diskurs und Wissensproduktion vereint. Ein Beispiel war dabei die von Dr. Karl-Heinz Imhäuser entwickelte These der „Kommunalen Wissens-Schaffens-Zentren“. Grundlage der These ist, dass Wissen als Zukunftsressource der offenen Gesellschaft an reale Orte gebunden ist. Dieser theoretische Ansatz wurde mit der verräumlichten Praxis gespiegelt. Weiterhin wurden städtebauliche Themen wie die Zwischenstadt in ihrer heutigen Ausprägung untersucht und diskutiert.

Die Publikation – Wissen nutzbar machen

Zuerst im Auftrag der Stadt Mannheim, im Anschluss gefördert aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, erforschte Sally Below seit 2020 mit dem Spinelli FreiRaumLab, wie sich bauliche Bestände lokal verankert gemeinschaftlich weiterentwickeln lassen. Mit Christopher Dell kam 2022 ein kuratorischer Partner für die performative Installation der Piazza Spinelli hinzu.

Im Jahr 2024 haben Sally Below und Christopher Dell ihre Erkenntnisse aus zahlreichen Interventionen, Veranstaltungen, Netzwerktreffen und Gesprächen in einem Buch mit dem Titel Piazza Spinelli – Übungsraum für die Stadt zusammengefasst. Sie zeigen, wie mit institutionsübergreifenden Verhandlungen, innovativen Umnutzungskonzepten, dem Erzeugen von Öffentlichkeit und Interventionen im Maßstab 1:1 eine kooperative Methodik zum Umgang mit komplexen städtischen Situationen geschaffen werden kann.

Mit im Buch sind, mit Beiträgen oder als Gesprächspartner:innen, Davide Brocci, Christopher Dell, Martin Ehret, Ralf Eisenhauer, Hanno Ehrbeck, Karl-Heinz Imhäuser, Anne Keßler, Rainer Kilb, Daniel Koch, Peter Kurz, Wiebke Lawrenz, Reiner Nagel, Dominique Peck, Stefan Rettich, Sabine Tastel, Renée Tribble, Jean-Philippe Vassal, Jens Weisener und Stephan Willinger. Vielen Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit!

Das Buch ist im Buchhandel und bei Jovis direkt erhältlich.